24 April 2009 - Maritime Talks 2009
24 APR 2008
Maritime Talks: Moderne Piraterie - was tun gegen die
neue Geißel der Menschheit?
Auf der Suche nach den richtigen Strategien
Hamburg, 24. April 2008 - Die Zahl der Piratenüberfälle auf See
hat im Jahr 2008 einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt wurden
im vergangenen Jahr 293 Piratenüberfälle gemeldet, 111 davon vor
der Küste Somalias. Trotz des verstärkten Kampfes der
internationalen Gemeinschaft gegen die organisierte Kriminalität
auf hoher See hat die Piraterie weltweit um elf Prozent zugenommen.
Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es vor
Somalia 102 Übergriffe - doppelt so viele wie im ersten Quartal
2008. Zudem wird die Piraterie immer professioneller und
gewaltsamer betrieben. Neben den wirtschaftlichen Schäden darf auch
das enorme menschliche Leid für die Geiseln und ihre Familien nicht
vergessen werden. Vor diesem Hintergrund suchen am heutigen Freitag
auf Einladung der Internationalen Stiftung für Seerecht
hochkarätige Experten bei den "Maritime Talks 2009" nach Lösungen
im Kampf gegen die Piraterie.
Mehr als 120 Gäste aus aller Welt sind dazu in den
Internationalen Seegerichtshof Hamburg gekommen. Begrüßt von
Hausherr und Präsident José Luis Jesus, diskutieren sie unter
anderem mit Commander Snowy Lintern (Royal Navy, Liaison Officer of
the EU Naval Force - Somalia, EU NAVFOR), Vizeadmiral Hans-Joachim
Stricker (Befehlshaber der Flotte, Glücksburg), Nigel Carden
(stellv. Vorstandsvorsitzender Thomas Miller P&I Limited,
London), Stefan Bülow (Geschäftsführer Reederei John T. Essberger
GmbH & Co. KG, Hamburg), Dr. Hans-Heinrich Nöll
(Hauptgeschäftsführer Verband Deutscher Reeder, Hamburg), Prof. Dr.
Dr. h.c. Peter Ehlers (Vorsitzender Deutscher Nautischer Verein und
ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Seeschifffahrt und
Hydrographie), Ministerialrat Gert-Jürgen Scholz (Leiter des
Referates WS 22 - Gefahrenabwehr Seeschifffahrt, Lotswesen,
Seeunfalluntersuchung - im Bundesministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung), und Dr. Ewald Brandt (Leiter der
Staatsanwaltschaft Hamburg). Die Tagungsleitung hat Prof. Dr. Doris
König inne, Vorsitzende der Internationalen Stiftung für Seerecht
und Professorin an der Bucerius Law School, Hamburg.
Prof. Dr. König sagte auf der einleitenden Pressekonferenz,
diese sechsten Maritime Talks unter der Überschrift "Piraterie -
Geißel der Menschheit" sollten einen wesentlichen Beitrag zur
Erarbeitung von Lösungsansätzen leisten: "Deswegen haben wir heute
ein ganz breites Spektrum an Fachleuten eingeladen, und auch die
Resonanz unserer Gäste beweist Bedeutung, Dringlichkeit und
Aktualität des Themas."
Die möglichen Maßnahmen im Kampf gegen die
Piraterie
Die internationale Gemeinschaft sei zurzeit mit rund 35 Schiffen
am Horn von Afrika vertreten. So sei es gelungen, eine Reihe von
seeräuberischen Angriffen auf Handelsschiffe abzuwehren und
mutmaßliche Piraten festzusetzen. Einige sind an die
Strafverfolgungsbehörden in Kenia übergeben worden. Prof. Dr. König
zu den möglichen Maßnahmen: "Da das Seegebiet sehr groß ist,
reichen die bislang entsandten Kriegsschiffe nicht aus, um den
Seeverkehr effektiv zu überwachen. Kurzfristig könnten die
beteiligten Staaten noch mehr Schiffe in das Gebiet entsenden und
ihre Einsätze besser koordinieren sowie ein Gesamtkonzept mit
arbeitsteiligem Vorgehen erstellen. Zudem muss eine wirksame
Strafverfolgung sichergestellt werden, wobei die Menschenrechte der
Betroffenen zu achten sind. Diese Aufgabe muss zunächst von den
nationalen Strafverfolgungsbehörden geleistet werden. Hier ist auch
Deutschland gefordert. Bisher ist der Internationale Seegerichtshof
nämlich nicht für Strafverfahren gegen Piraten zuständig, hierfür
müssten zunächst seine Kompetenzen erweitert werden."
Mittel- und langfristig könne die Lösung nur in der Region
selbst gefunden werden, indem man den Ursachen der Piraterie
begegnet. Somalia müsse politisch stabilisiert und mit
funktionstüchtigen Sicherheitskräften ausgerüstet werden. Auch die
Nachbarstaaten müssten mit technischer und finanzieller Hilfe in
die Lage versetzt werden, ihre Küsten und die angrenzenden
Seegebiete mit eigenen Mitteln zu überwachen und Piraterie
angemessen zu bestrafen. Prof. Dr. König: "Die Erfahrungen in
Südostasien und hier speziell die Erfolge in der Straße von Malakka
haben gezeigt, dass nur eine regionale Zusammenarbeit mit
internationaler Unterstützung im Kampf gegen die Piraterie
nachhaltigen Erfolg verspricht."
Die aktuellen Zahlen - betroffen sind auch Peru und
Nigeria
Prof. Dr. König wies auf die aktuellen Daten hin: "Nach dem
neuesten Bericht des International Maritime Bureau (IMB) von diesem
Dienstag wurden weltweit 178 Seeleute als Geisel genommen, neun
verletzt, fünf verschleppt und zwei getötet. In der Mehrheit der
Fälle waren die Piraten mit Schusswaffen oder Messern bewaffnet.
Ebenso hat die Gewaltanwendung gegen Besatzungsmitglieder weiterhin
zugenommen. Sogar im Vergleich zum vierten Quartal 2008, als viele
Regierungen erstmals Soldaten und Kriegsschiffe vor die Küsten
Somalias schickten, ist die Anzahl der Übergriffe um fast 20
Prozent gestiegen." Zusätzlich zu Somalia bleibt Nigeria eine
Hochrisikoregion. Im ersten Quartal 2009 erhielt das IMB nur
Meldungen über sieben Angriffe, obwohl unbestätigten Berichten
zufolge möglicherweise 13 weitere Attacken stattgefunden haben
könnten. Fast alle Überfälle erfolgten hier auf Schiffe, die die
Ölindustrie unterstützen oder zu ihr in Beziehung stehen. Der
IMB-Bericht zeigt zudem, dass es in den Küstengewässern von Peru
vermehrt zu Vorfällen kommt. Das Piracy Reporting Center vermeldet
insgesamt für diese Region sieben Angriffe, die alle nicht
abgewehrt werden konnten."
Die volkswirtschaftlichen Schäden der Piraterie zu beziffern sei
problematisch, sagte Prof. Dr. König. Sie verwies auf Schätzungen
der Versicherungswirtschaft, denen zufolge die Schäden zwischen 3
und 16 Milliarden US-Dollar lägen. Die strategische Bedeutung der
Somalia-Passage verdeutlichte sie an diesen Zahlen: Mehr als 15.000
Schiffe passieren jährlich den Suez-Kanal, deren Ladung beträgt
etwa 14 % der weltweit transportierten Schiffsfracht. Derzeit
liegt die durchschnittliche Tonnage pro Tag bei rund 2,4 Millionen
Tonnen. Nach Angaben der International Maritime Organization (IMO)
dauere eine Seereise um die Alternativroute Kap der Guten Hoffnung
etwa zwölf Tage länger als der Weg durch den Suezkanal. Die Fracht
komme entsprechend später am Ziel an, zudem koste der Transport 25
bis 30 Prozent mehr.
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